Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V.
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Vereinsgeschichte
Seit dem Abzug der Sowjettruppen unterstützt Afghanistan-Schulen (damals Verein zur Unterstützung von Schulen für afghanische Flüchtlingskinder e.V.) Schulen im Nordwesten Afghanistans. Seit Anbeginn unserer Arbeit in dieser Region war Rahmanqul unser wichtigster Vertrauter und Mitarbeiter. Rahmanqul wurde 1956 geboren und im Februar 2007 vor seinem Haus in Andkhoi erschossen.
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Er lebte zunächst mit seiner Familie in Arab Shah Payan, einem Dorf im Bezirk Khancharbagh, ca. 8 km nordöstlich von Andkhoi in der Provinz Faryab im Nordwesten Afghanistans. Er stammte aus einer sehr armen Bauernfamilie und war das erste von 8 Kindern (3 Brüder, vier Schwestern). 1961 wurde er in die Grundschule in Khancharbagh eingeschult (heute Khancharbagh Lycee). Nach Abschluss der Grundschule ging er ins 8 km entfernte Andkhoi in die Abu Muslim High School. Er hatte kein Geld für ein Fahrrad. Sein Vater hatte einen Esel und manchmal ritt er auf dem Esel zur Schule und im Winter ging er zu Fuß. Noch als Schüler musste er zum Lebensunterhalt der Familie beitragen, z.B. hat er Hühner und Eier von den Leuten im Dorf gekauft und sie in Andkhoi auf dem Basar verkauft. Seine Freunde und er eröffneten einen kleinen Laden und verkauften dort nach der Schule Fleisch – der Schüler Rahmanqul arbeitete als Schlachter. 1973 machte er seinen Schulabschluss und studierte danach an der Balkh Universität in Mazar-i-Sharif Biologie und Chemie. Nach dem Abschluss in 1976 heiratete er, musste aber schon 15 Tage nach der Hochzeit als Soldat nach Kabul, wo er zwei Jahre blieb. Es war eine schwierige Zeit für ihn – er hatte nur wenig Geld, um sich und seine Familie zu ernähren; sein Vater war sehr krank, er fühlte sich nicht sicher; die Mudjahedin formten sich und begannen ihren Kampf gegen das kommunistische Regime. Ende 1978 kehrte er nach Hause zurück und wurde Lehrer in Khancharbagh. Während seiner Tätigkeit als Lehrer arbeitete er außerdem als Bauer: Er half seinem Vater, das Land zu bearbeiten. Von seinem ersten Gehalt als Lehrer kaufte er sich ein Fahrrad.

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Als die ersten drei Kinder noch klein waren, war Rahmanqul Soldat in Mazar-i-Sharif, d.h. von 1986 bis 1987. Nach dem Tod seines Vaters, übernahm Rahmanqul als Ältester von 8 Geschwistern die Verantwortung für die Großfamilie. Er hat immer hart gearbeitet und überlegt, wie er die Familie am Besten versorgen könnte, z.B. war er sehr daran interessiert, Melonen und anderes Obst und Gemüse im Garten aufzuziehen. Rahmanqul hatte auch großes Interesse an Büchern, aber als die Taliban die Herrschaft in der Region übernahmen, verbrannte er alle seine Bücher.

1987 wurde Rahmanqul stellvertretender Schulleiter im Yuldoz Lycee in Andkhoi; er unterrichtete Physik in den Klassen 11 und 12. Während dieser Zeit lernte er Ulla Nölle, die Gründerin des Vereins kennen, und begann seine Tätigkeit für diesen Verein. Außerdem arbeitete er für Save the Children als Assistent im Mikrokredit-Programm. 1992, 1994 und 2000 wurden die Töchter Farsana, Negina und Anisa geboren. Zwei Kinder (ein Junge und ein Mädchen) leben heute nicht mehr. Ein Kind wurde von einer Kuh getreten und ein anderes starb an einem Hirntumor o.ä.

In Andkhoi lebte die Familie zunächst in einer sehr kleinen Wohnung zur Miete. Im Jahre 2004 war das eigene Haus in Andkhoi fertig.

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Alles was der Verein in den vergangenen Jahren geschaffen hat und was Sie auf diesen Seiten lesen können, war nur möglich, weil Rahmanqul unermüdlich für diese Projekte gearbeitet hat. Er hatte viele Freunde und viele Helfer, aber er war es, der ihnen den Weg gezeigt hat.

Im Februar 2007 nach dem Mord an Rahmanqul schrieb Marga Flader:

[...] Mit Rahmanqul haben wir nicht nur einen unserer wichtigsten und fähigsten Mitarbeiter verloren, sondern auch unseren besten Freund. Rahmanqul war ein ganz besonderer Mann, der die Fähigkeit besaß, seine vielen brillanten Ideen mit Hilfe seiner vielen Freunde zu verwirklichen. Gemeinsam hatten wir ein wunderbares Netzwerk aufgebaut, um Tausenden von Kindern, jungen Männern und Frauen eine Bildung zu ermöglichen. Wenn es Probleme an den staatlichen Schulen gab, die wir unterstützten, gingen die Lehrer zuerst zu ihm und nicht zum Schulrat. Wenn wir die Schulen besuchten, erklärte er den Kindern, dass sie Schule und Schulgelände sauber halten und auf ihre Lehrer hören sollten. Wenn Menschen Sorgen hatten, die sie allein nicht bewältigen konnten, kamen sie zu ihm und baten um Hilfe. Er war Freund

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aller – der Kinder, ihrer Eltern, der Lehrer, der Bauarbeiter, unserer Freunde aus dem In- und Ausland, die uns in Andkhoi unterstützten und vor allem war er unser Freund, den wir schmerzlich vermissen. Er war ein guter Vater und Ehemann. Seine völlig verzweifelte Tochter rief immer wieder „I can’t live without my father“. Es wird für alle sehr schwer sein, ohne diesen wunderbaren Mann weiterzuleben. Wir können nicht verstehen, wer ihn getötet haben kann. Wir rätseln und finden keine Antwort. Mehr als tausend Männer kamen zur Beerdigung. Hunderte Männer und Frauen kamen jeden Tag ins Haus der Familie in Andkhoi, so wie auch ich. Ich brauchte leider fast eine Woche von Hamburg nach Andkhoi. Die Flugverbindungen und das Wetter waren schlecht. Da wir nicht wussten, wer den Mord begangen hat, hatten auch wir Angst um unser Leben. Aber es war dringend nötig, der Familie beizustehen. Sie haben gesehen, wie der Ehemann/Vater ermordet worden ist, sie haben Angst um ihr Leben, sie wissen nicht, was die Zukunft bringen wird. In Afghanistan gibt es keine Therapeuten, die den Hinterbliebenen zur Seite stehen. Es gibt keine finanzielle Absicherung für die Familie von Seiten einer Versicherung oder des Staates. Wir wollen – und hoffen dafür auf Unterstutzung unserer Freunde – Rahmanquls Frau, seinem Sohn und seinen fünf Töchtern helfen. Da sie nicht mehr in Andkhoi leben können, weil sie Angst um ihr eigenes Leben haben, wollen wir Ihnen dabei helfen, sich in Kabul ein neues Leben aufzubauen. Der Sohn könnte in Kabul weiter studieren – es war der größte Wunsch von Rahmanqul, dass seine Kinder die Universität besuchen. Die Mädchen könnten ihr Abitur machen und später vielleicht auch studieren.

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Ich habe in Andkhoi Rahmanquls Freunde getroffen. Alle Männer haben geweint. An einem Tag sprachen wir nur über ihn und wie es zu der Tat kommen konnte, hatte er doch keine Feinde, sondern war überall sehr beliebt. Es wurde mir in Andkhoi aber trotz des allgegenwärtigen Schmerzes klar, dass unsere Arbeit weitergehen muss. Ich bat unsere wichtigsten Mitarbeiter und die Freunde Rahmanquls zu mir und wir sprachen in einem zweiten Treffen darüber, wie wir in Andkhoi weiterarbeiten können, denn unsere Arbeit ist außerordentlich wichtig für diese Region. Direkt für uns arbeiten ca. 60 Personen und über die Bauprojekte haben weitere 100 Arbeiter ihren Lebensunterhalt verdienen können, d.h. 160 Familien oder vielleicht 1500 Menschen! Mit der Unterstützung, die die staatlichen Schulen in Form von Lehrmaterial und Lehrerfortbildung von uns erhalten, helfen wir dabei, die Qualität des Unterrichts zu verbessern. [...]

Es war Rahmanquls – wie unser – Wunsch, den afghanischen Jungen und Mädchen eine bessere Schulbildung = eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Mitglieder von Afghanistan-Schulen in Deutschland und in Afghanistan sowie seine Freunde und Familienangehörigen wollen weiter auf Rahmanqul’s Weg gehen und unser Ziel nicht aus den Augen verlieren.

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