Bereits zu Zeiten Amanullahs und später unter Zaher Shahs Herrschaft wurde eine allgemeine Schulpflicht eingeführt, allerdings nur für den Fall, dass es in dem Wohnort der Kinder eine Schule gab. Vorher gab es in der Regel nur Unterricht in einer Moschee. In den wenigen großen Städten Afghanistans, insbesondere Kabul, Herat und Mazar-i-Sharif, konnten Mädchen in den 60iger bis 80iger Jahren Schulen und sogar die Universitäten besuchen. Die Mehrzahl der Lehrkräfte an den Grundschulen waren Frauen. Durch den Krieg gegen die Sowjets, die Kämpfe der Mudjahedin und die darauf folgende Taliban-Herrschaft wurden diese Anfänge gründlich zerstört. Ca. 80 - 90 % der Frauen in Afghanistan sind Analphabeten.
 |
| Das von der Ethikbank geförderte Nähzentrum in Khancharbagh |
 |
Wir haben immer großen Wert darauf gelegt, nicht nur afghanischen Jungen, sondern auch den Mädchen eine Schulbildung zu ermöglichen in den Flüchtlingslagern und im Norden Afghanistans. Nachdem während der Taliban-Zeit das Mädchengymnasium in Andkhoi geschlossen wurde und wir nur ca. 900 Mädchen Unterricht in sog. Homeschools, d.h. in den Privathäusern der Lehrerinnen ermöglichen konnten, haben wir Nähkurse eingerichtet. Das Interesse hieran war so groß, dass wir nicht nur gebeten wurden, den bestehenden Kurs fortzuführen, sondern auch, weitere Kurse in anderen Orten einzurichten.
Heute unterhalten wir drei einjährige Alphabetisierungs- und Nähkurse. An drei Tagen der Woche lernen ältere Mädchen und Frauen Lesen, Schreiben und Rechnen und Unterricht zum Thema Gesundheit für Mutter und Kind. An den anderen drei Tagen der Woche lernen sie Schneidern, insbesondere Bekleidung für Frauen und Kinder. Sie führen recht bald Auftragsarbeiten durch, d.h. Frauen bringen Stoff in die Nähstuben und erhalten die gewünschten Kleider. Am Ende ihrer Ausbildung erhalten die Teilnehmerinnen eine einfache Nähmaschine, damit sie zukünftig Geld verdienen können. Die Home Courses der Taliban-Zeit bestehen in geänderter Form noch immer: Heute bereiten sich in diesen dreijährigen Kursen Mädchen, die bisher keine Möglichkeit gehabt hatten, eine Schule zu besuchen, auf eine Einschulung in eine reguläre Schule ab Klasse 7 vor. Verständlicherweise möchte eine vielleicht 15-Jährige nicht mit 6-Jährigen die Schulbank drücken und so werden wir diese Ausbildung noch eine Jahre weiter anbieten.
Auf dem Lande ist es kulturell nicht immer akzeptabel, dass ältere Mädchen zusammen mit den Jungen eine Schule besuchen. Deshalb entsteht in jedem Bezirk zumindest eine Mädchenoberschule.
Vor und nach der Talibanzeit gab es nur eine Mädchenschule in den vier Bezirken, in denen der Verein in Faryab tätig ist. Heute sind es 12 und in acht Schulen werden Jungen und Mädchen unterrichtet.
Die EthikBank unterstützt seit vielen Jahren unser Engagement für die afghanischen Frauen, u.a. mit dem Bau einer Mädchenschule in Khancharbagh und bei der Anschaffung der Schulmöbel. Für die Mädchen, die in der Nähstube von Khancharbagh ihre Ausbildung beendet hatten, konnten wir Nähmaschinen kaufen. Und inzwischen laufen in diesem abgelegenen Bezirk in der Steppe außerdem noch Kurse in Mathematik, Persisch (Dari) und Englisch. Durch die gute Zusammenarbeit mit der EthikBank hat sich das Leben der Mädchen und Frauen erheblich zum Positiven verändert.
Bitte besuchen Sie auch noch die Seite "Ausbildungszentrum".
Wir bieten zusätzlichen Unterricht für Schüler/innen der Klassen 7 bis 9 in den Landessprachen Dari und Paschtu, English und Mathematik an. Oberstufenschüler/innen bereiten sich hier auf die Universität vor. Außerdem sind die Englischkurse und Computerkurse sehr beliebt und die Schüler/innen machen große Fortschritte. Railajan, ist zum Beispiel eine sehr begabte Schülerin, die inzwischen die Anfängerinnen unterrichtet. Ihre Vorgängerin Fatima studiert jetzt an der Universität in Kabul. |