September 2022

 

NEUIGKEITEN VON UNSEREN PROJEKTEN IN AFGHANISTAN 

 

Ein ganzes Jahr unter der Herrschaft der Taliban ist vergangen. Ganz sicher kein Grund zum Feiern. Im Gegenteil: Die Bevölkerung (insbesondere die Frauen, aber nicht nur sie!) leidet schwer unter Arbeitslosigkeit, Verteuerung der Lebensmittel, Corona, Dürre, Überschwemmungen und vor allem unter der Hoffnungslosigkeit – eine Veränderung ist nicht in Sicht.

 

Aber, wir wären nicht der Verein Afghanistan-Schulen, wenn wir nicht auch in dieser Situation über Lichtblicke in kleinen Teilen des Landes berichten könnten; Lichtblicke, über die ab und zu auch graue Wolken ziehen und Angst oder Wut erzeugen. Dazu später. Was hat sich getan seit unserem letzten Bericht vom Mai 2022?

 

Zunächst das Positive: Unsere Projekte in Mazar-e-Sharif laufen wie geplant. Jungen und Mädchen können die Schulen bis zu 12. Klasse durchlaufen. Unser vom BMZ gefördertes Projekt zur Kompetenzerweiterung der von uns gebauten Schulen trägt Früchte: Das Netzwerk zwischen mehreren Schulen wird durch Einbeziehung weiterer Schulen ausgebaut. In den Sommerferien fanden wieder Fortbildungen für Lehrer und Lehrerinnen gemeinsam statt.

 

 

Die Imam Hussain Schule wurde fertig. Über 3000 Schüler und Schülerinnen werden jetzt in zwei neuen Gebäuden unterrichtet. Auch andere Schulen wurden repariert oder erhielten Zusatzbauten und Fortbildungen. Die örtlichen Behörden sind sehr zufrieden mit den Projekten und deren neuer Leitung durch das OASE-Team. 

 

 

Auch in Andkhoi und den umliegenden drei Distrikten laufen alle Projekte.


So war es zumindest bis Mitte August. Die langen Sommerferien wurden genutzt für Fortbildungen für Lehrkräfte. Das WASH-Projekt an 13 Schulen (Wasser, Sanitär, Hygiene) war sehr erfolgreich, zumal für die Schulleitungen auch Fortbildungen zur Kompetenzerweiterung angeboten wurde. Mehrere Schulen konnten wir, finanziert aus privaten Spenden, reparieren und viele neue Tische und Bänke tischlern lassen. Auch die Kurse am Ausbildungszentrum machten keine Ferien.

 

 

 

 

 

Dann aber kam ein neuer Donnerschlag aus Kabul: Das Ausbildungszentrum und die Kurse an mehreren Schulen sollten sofort geschlossen werden, bis diese Projekte im Kabuler Bildungsministerium schriftlich genehmigt würden. Bereits dreimal waren Mitarbeiter von VUSAF dort gewesen, um die Genehmigung zu bekommen. Da sie nie vorgelassen wurden, holten sie die Genehmigung in der Provinzhauptstadt Maimana ein. Dieses Mal lehnte der Schulrat der Provinz die Erteilung unter Hinweis auf die Zuständigkeit des Ministeriums jedoch ab. Da half auch das Drängen der in Andkhoi zuständigen Bildungsverantwortlichen nicht. Die Bevölkerung, vor allen die Jugendlichen und die Eltern, protestierten, der Bezirksgouverneur von Andkhoi schrieb an unseren Verein, wir möchten doch bitte trotzdem das Ausbildungszentrum wieder öffnen. Alle Verantwortlichen der vier Distrikte drängten darauf. Nach vielen Bemühungen machte sich eine Delegation der örtlichen Regierung auf den Weg nach Kabul. Eine der Taliban kannte dort den Minister für Landwirtschaft. Dieser wiederum kannte unsere Arbeit, schrieb einen eigenen, sehr positiven Bericht darüber und vermittelte ein Treffen im Bildungsministerium. Dort bekam die Delegation die gewünschte Zusage mündlich. Auf die schriftliche, unterschriebene Genehmigung musste unser Mitarbeiter in Kabul dann noch eine Woche warten. Jetzt ist sie da, und nun wurden die Tore des Ausbildungszentrums für die Jungen und Mädchen wieder geöffnet. Gerade sind die Sommerferien vorbei, und alle Schulen für Jungen und Mädchen der Klassen 1 bis 12 beginnen mit dem neuen Schuljahr. Hoffen wir, dass solche unnötigen Störungen nicht sobald wieder auftauchen.

 

 

Die Frauenzentren waren davon nicht betroffen. Sie arbeiteten den ganzen Sommer ohne Pause. Neben dem Unterricht nahmen viele Frauen wieder an den monatlichen Vorträgen teil. Ehemalige Schülerinnen nähten Kleidung für bedürftige Kinder und Frauen – zum Beispiel Schuluniformen. Uns hat der letzte Monat noch einmal gezeigt: 

 

 

 

 

 


Die Arbeit, die wir in Andkhoi und Mazar-e-Sharif machen, wird von der Bevölkerung und den dortigen Behörden sehr geschätzt. Alle erwarten, dass wir weitermachen. Es gibt noch so viel zu tun:

 

- Ein weiteres WASH-Projekt wurden erbeten. Wir können dafür einen Antrag bei Misereor

  stellen, müssen aber 25% der Kosten aus Spenden aufbringen oder einen Ko-Finanzierer

  finden.

- Eine Schule wünscht sich dringend sechs neue Räume.

- Zwei weitere Schulen in den Dörfern müssen repariert werden.

- Das große Mädchengymnasium in Andkhoi bracht Ersatz für den letzten verfallenden Trakt.

- Und in Mazar-e-Sharif brauchen wir noch Unterstützung: Für den Zusatzbau für die Ahmad

  Shah Masood Schule müssen wir 50.000€ an Eigenmitteln aufbringen. Über 4000 Schüler:

  innen werden dort unterrichtet und brauchen Tische und Bänke. Ein Set kostet 70€.

 

JEDER EURO HILFT - es muss nicht gleich ein ganzer Schultisch mit Bank sein. Bitte unterstützen Sie uns weiter. Die Kinder in Afghanistan und ihre Eltern brauchen uns - nicht die momentane Regierung. Herzlichen Dank für Ihre Treue.

 

Beste Grüße

Tanja Khorrami und Marga Flader


SPENDENKONTO:  ETHIKBANK IBAN DE71 8309 4495 0103 0410 50 (GENEDEF1ETK)

 

 

 

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info(at)Afghanistan-Schulen.de