BERICHT AUS AFGHANISTAN 

 

Im Frühjahr 2018 besuchten Tanja Khorrami und ich unsere Projekte in den Provinzen Faryab, Balkh und Samangan.(s. Reisebericht Frühjahr 2018.pdf
Download) Gern wäre ich auch im Herbst wieder gefahren, aber dies war aus persönlichen Gründen leider nicht möglich. Im März/April 2019 hoffentlich wieder.

 

Unsere Projekte sind in guten Händen. Faqir schreibt uns aus Mazar-e-Sharif sowie Asef und Soman aus Andkhoi. Sie werden ihre persönlichen Berichte sicher gern lesen (weitere aktuelle Informationen finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

 

Wir hoffen sehr, dass Sie uns dabei helfen werden, die Vorschläge, die an die VUSAF-Mitarbeiter herangetragen wurden, umzusetzen.

 

Herzlichen Dank und beste Grüße

Marga Flader 

 

 

Sayed Faqir Hashemi, VUSAF Büroleiter
Mazar-e-Sharif:

Wir sind froh, dass trotz der schwierigen Sicherheits-lage unsere Projekte in der Provinz Balkh gut vor-ankommen. Unsere Englisch- und Computerkurse in der Sayed Shah Khan Mädchenoberschule laufen gut. Ich persönlich bin sehr beeindruckt von diesen Kursen. Das große Interesse und die Wissbegierde der Schülerinnen ermutigen auch mich und geben mir Energie für meine Arbeit. Häufig erhalten wir Bitten von Jugendlichen und Schulleitern, neue Kurse auch an ihren Schulen anzubieten.

 

Obwohl wir schon ungefähr 15 Schulbauprojekte hier umgesetzt haben, fehlen immer noch an vielen Schulen Klassenräume. Wie Sie wissen, ist Mazar eine der größten Städte in Afghanistan. Deshalb ist der Bedarf hier besonders groß. Ich hoffe, dass wir auch weiterhin den Schulen in der Provinz Balkh mit dem Bau von Klassenräumen helfen können. 

 

 

Es ist eine große Bereicherung unserer Arbeit, dass wir Lehrerfortbildungsseminare organisieren. Wir haben schon sehr viele Workshops und Seminare für die Lehrenden in Mazar durchgeführt. Die meisten der Lehrkräfte, die daran teilnehmen, sind jung und unerfahren. Wir sehen, dass es für sie eine goldene Chance ist, den Standard des Unterrichts und der Lehrmethoden zu verbessern. Deshalb wäre es gut, wenn wir auch zukünftig Fortbildungen anbieten könnten.

 

Vor kurzem haben wir mit dem Bau eines Schulgebäudes mit 16 Klassenräumen in Aibak (Provinz Samangan) begonnen, und wir hoffen, dass wir dort zukünftig weitere Projekte durchführen können.

 

Leider tut unsere Regierung in nicht genug für die Bildung, obwohl sie viel Geld erhält. Wir wissen nicht, wie das Geld ausgegeben wird. Manchmal zahlen sie den armen Lehrkräften nicht einmal ihr Gehalt rechtzeitig aus. Unsere einzige Hoffnung sind die NROs, die in diesem Land arbeiten. Wir hoffen, dass die internationale Gemeinschaft uns nicht vergisst – wenigstens nicht in den kommenden Jahren. Das gilt insbesondere für den Bildungssektor, der als das Rückgrat unseres Landes angesehen werden kann. Wenn das Rückgrat nicht stark genug ist, können die anderen Teile des Körpers auch nicht stark sein. Hintergrund für alle bestehenden Probleme in diesem Land ist der Mangel an Bildung. Wäre unser Volk gebildet, dann könnten wir unsere Probleme für immer selbständig lösen. 

 

Sayed Asef Sadaat, VUSAF Regionaldirektor Andkhoi:

Ich bin sehr froh darüber, dass die Förderkurse an unserem Ausbildungszentrum für die Klassen 7 bis 12 so gut laufen. Die Schülerinnen und Schüler haben großes Interesse daran. Fast jeden Tag müssen wir jemanden abweisen, weil keine Plätze frei sind. Neben dem normalen Unterricht bieten wir besondere Aktivitäten an, verschiedene Wettbewerbe und Veranstaltungen mit dem Zweck, ihre Fähig-keiten zu erweitern. An den Donnerstagen sehen sie sich und ihre Freunde auf der Bühne und sind begeistert vom selbst gestalteten Programm. Es gibt auch noch den Lesekreis, in dem sie Texte analysieren und ihre Lese- und Schreib-fähigkeiten verbessern können. Unsere Englisch- und Computerkurse laufen gut. Die Schülerinnen und Schüler können am Ende der Kurse sehr gut Englisch. Sie fühlen sich glücklich, dass sie an den Kursen teilnehmen konnten, sogar ihre Eltern schicken uns Nachrichten oder kommen zu uns, um ihren Dank auszudrücken. Inzwischen wurde eine neue Elternvertretung gewählt, die die Klassen besucht und an den Veranstaltungen teilnimmt. 

 

15 Lehrerinnen und 15 Lehrer beschäftigen wir als Assistenten im In-Service-Training-Programm, das zu großen positiven Veränderungen bei den Lehrenden an den staatlichen Schulen geführt hat. Sie selbst wünschen sich diese Veränderungen und kommen zu uns ins Büro, um in das Programm aufgenommen zu werden. Wir möchten gern mehr Frauen für unsere Kurse einstellen, aber es ist nicht immer einfach, gut qualifizierte Lehrkräfte zu finden. Mit unserer neuen Englischlehrerin haben wir nun wieder viel Glück. Es ist extrem wichtig, dass wir weitere Fortbildungsseminare für die Lehrenden an staatlichen Schulen, besonders auch für die Grundschulklassen durchführen. Unser letztes Seminar war sehr erfolgreich.

Das Ökologie-Programm läuft besser als wir erwartet hatten. Die Teams an den Schulen sind noch nicht so aktiv, aber die Teams unseres Ausbildungszentrums sind im Radio zu hören, sie interviewen Leute auf dem Markt, sie reinigen die Straßen und sogar das Krankenhaus, sie machen ihre Vorstellungen von einer sauberen Umwelt publik und Plastikvermeidung zum Thema.

 

 

Das Schulgebäude in Ganjkhana ist fertig, aber noch nicht übergeben. Wir warten noch darauf, dass die Stromleitung bis zur Schule gelegt wird. Ich führe deshalb Gespräche mit den Dorfältesten, dem Schulrat und dem Bezirksgouverneur.

Die Sicherheitslage hat sich seit dem letzten Jahr verschlechtert. Zwei große Dörfer im Bezirk Qaramqul sind unter der Kontrolle der Taliban. Die Mädchenschulen sind fast geschlossen. Die Jungenschulen laufen noch, aber diejenigen, die in der Nähe des Taliban-Lagers liegen, sind auch fast geschlossen. Die Regierung hat nichts gegen die Taliban unternommen. Vielleicht wegen der anstehenden Wahl oder aus anderem Grund.   

 

Soman Sadat, Leiterin der Frauenprojekte,

Andkhoi:

Wir können sagen, dass alle Aktivitäten unseres Frauenzentrums von der Bevölkerung gut angenommen worden sind – wir haben unser Ziel fast erreicht. Nähen, Lesen, Schreiben und Referate zu allgemeinbildenden Themen zur Stärkung der Frauen – die Bevölkerung sieht, dass das WCA mehr ist als nur eine Nähstube: Es ist ein echtes Frauenzentrum. Hier erleben wir die Kraft und den Glauben in Frauen Power. Wir kennen viele Frauen, die hier erst ihre eigenen Fähigkeiten und Schwächen entdeckt und sich ihr Lebensziel erarbeitet haben.

 

Nähstuben in den Dörfern: Ehemalige Nähschülerinnen haben einen weiteren Schritt gewagt, um ihre Vorstellung von Hilfe zur Selbsthilfe umzusetzen. Sie haben nicht nur ihre eigene Nähstube aufgebaut, sondern sie selbst bilden jetzt andere Näherinnen aus. Das ist wirklich eine gute Sache.  

 

Sport für Frauen: Wir nennen es einen Riesenerfolg, dass in den vier Bezirken um Andkhoi die Frauen, die in unser Fitnesscenter kommen, Selbstvertrauen entwickelt haben, indem sie hier ihre Übungen machen. Sie wurden gut beraten, so dass sie kaum noch Schmerzmittel oder andere Medikamente benötigen, die ihnen Ärzte aus Profitstreben verschrieben hatten. Die Menschen haben häufig einfach nur Schmerzmittel genommen, ohne auf ihren Körper zu hören und ohne festzustellen, was der Körper wirklich braucht.

 

Das Wichtigste, was wir den Frauen in unserem Fitnesscenter bieten konnten, war, dass sie für eine Stunde oder länger ihr Haus verlassen und in einer freien Umgebung verbringen können. Das allein hat ihnen schon geholfen zu entspannen. Zuhause sind sie es, die die Lasten für viele tragen müssen. 

 

 

Faqir, Asef und ich hoffen sehr, dass unsere Berichte für die Leserinnen und Leser in Deutschland verständlich sind und sie unsere Projekte für die vielen Mädchen und Jungen und die Frauen hier in Mazar-e-Sharif sowie Andkhoi und Umgebung weiter unterstützen können. 

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info@Afghanistan-Schulen.de