November 2022

 

NEUIGKEITEN VON UNSEREN PROJEKTEN IN AFGHANISTAN  

 

Liebe Freundinnen und Freunde von Afghanistan-Schulen!

 

mit diesem Brief berichten wir über das, was sich in der letzten Zeit bei unseren Projekten getan hat. In den „Neuigkeiten vom September“, die Sie noch auf unserer Homepage nachlesen können, schreiben wir über eine sehr ärgerliche Unterbrechung der Arbeit unseres Ausbildungszentrums in Andkhoi. Das Kabuler Ministerium hatte alle NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) aufgefordert, ihre Projekte in Kabul genehmigen zu lassen. Eigentlich kein Problem – aber einen Termin im Ministerium hatten wir nie bekommen. Zum Glück engagierte sich sofort ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung in Andkhoi. Mit einer eindrucksvollen Delegation und guten Verbindungen in Kabul gelang es ihnen in wenigen Tagen, zumindest eine vorläufige Genehmigung für all unsere Projekte zu bekommen. Die Schüler und Schülerinnen des Ausbildungszentrums feierten ein Freudenfest, und alle Kurse liefen wieder an.

 

 

Die Kabuler Ministerien werden auch weiterhin versuchen, die Kontrolle über alle Teile des Landes zu erreichen. Ob sie damit ihre Vorstellungen von der Rolle der Frauen und der Mädchen in der Gesellschaft durchsetzen können, hängt im Wesentlichen von den Menschen im Land selbst ab. In diesem Fall hat sich eindeutig gezeigt, dass es zumindest im Norden nicht so einfach sein wird. Bildung für alle ist hier seit Jahren hoch angesehen. Gerade hat wieder die Aufnahmeprüfung für einen Universitätsbesuch in der Provinzhauptstadt Maimana stattgefunden. 209 Mädchen und 194 Jungen aus der Region Andkhoi nahmen daran teil – wir unterstützten sie durch Übernahme der Fahrtkosten. Wir hoffen, dass möglichst viele von ihnen einen Studienplatz bekommen. 

 

 

Der Wunsch nach Ausbildung unter den Frauen, die in ihren Dörfern noch kaum eine Schulbildung erhalten hatten, spiegelt sich in den drei Frauenzentren. Sie lernen mit großer Begeisterung Lesen und Schreiben in Dari (Persisch), einer der beiden Staatssprachen, und versuchen, sich mit ihren Mitschülerinnen, die wie sie Usbekisch oder Turkmenisch sprechen, auf Dari zu unterhalten. Sticken und Nähen macht ihnen Spaß. Rechnen lernen sie im Unterricht, aber auch praktisch beim Messen, Zuschneiden und Verkaufen. Zu Vorträgen bringen sie ihre Mütter, Großmütter und ihre Nachbarinnen mit. 

 

 

Misereor unterstützt uns seit vielen Jahren. Gerade konnten wir mit ihnen ein sehr umfassendes dreijähriges Projekt vereinbaren. Darin enthalten ist die Finanzierung der drei Frauenzentren, des Ausbildungszentrums, von Förderkursen an Schulen und Brennholz für den Winter sowie von Nothilfemaßnahmen.

 

Jetzt müssen wir noch die „Zustimmung“ in Kabul einholen. Hoffentlich ist den Verantwortlichen in den Ministerien bewusst, wie wichtig das Projekt für die Menschen in Andkhoi und Umgebung ist, wie viele Arbeitsplätze von den Projekten abhängen, was Bildung für die Jugend und die Zukunft des Landes bedeutet. Die Not ist gewaltig. Viele Familien haben keine oder nur wenig Einkünfte. Es gibt viele Witwen und Waisen, die arbeiten oder betteln. Die Nothilfeaktionen unseres Vereins sind dringend nötig, erreichen naturgemäß aber nur eine begrenzte Anzahl von Menschen.  Aber ohne unsere Hilfe würden viele weitere leiden oder sogar sterben. Effektiver ist es, Arbeitsplätze zu schaffen. Deshalb haben wir in den vergangenen Monaten einige Schulen renoviert und erweitert. 

 

 

Das wichtigste Ziel unserer Arbeit ist es aber, die Menschen durch Bildung zu befähigen, sich selbst für Verbesserungen in ihrem Land einzusetzen. Wir meinen, dass dies der richtige Weg ist. Wir verhandeln mit den Vertretern der Taliban, soweit es für die Durchführung der Projekte erforderlich ist. Sie haben keinen Einfluss auf unsere Projekte oder darauf, wen wir in unseren Projekten beschäftigen. Eine rote Linie ist für uns, dass die älteren Mädchen genau wie die Jungen von Klasse 1 bis 12 die Schule besuchen dürfen. Nach der Machtübernahme gab es in der Region Andkhoi zwei Versuche, den älteren Mädchen einen Schulbesuch zu untersagen. Während dieser Zeit blieb unser Ausbildungszentrum auch für die Jungen geschlossen. Die Bevölkerung setzte sich für eine Wiedereröffnung ein. 

 

 

In Mazar-e-Sharif hat es nach der Machtübernahme keine Schulschließungen gegeben. Auch hier laufen alle unsere Projekte gut. Auf vielen Fotos sieht man, dass Frauen und Männer bei Seminaren – trotz der angeordneten Geschlechtertrennung – zusammenarbeiten und gemeinsam nach Wegen suchen, ihre großen Schulen besser zu organisieren und neue Aktivitäten zusammen mit der Schüler- und Elternschaft zu planen. Diese Fortbildungen und Kooperationen zwischen den Schulen werden mit einem weiteren, einjährigen, vom BMZ geförderten Projekt vorangetrieben werden (hier beträgt unsere Eigenbeteiligung €11.100). Dieses Projekt wird das Netzwerk zwischen 15 Schulen stärken. 

 

 

Unser Anteil: €90.000, die wir aus Spenden finanzieren müssen. Sicher haben Sie, unsere so verlässlichen Spender:innen, schon so manchen Euro dazugegeben. Vielen Dank dafür! 

 

  

Viel Freude bereitet uns unsere kleine „Privatschule“ im Ferdawsi Lager für Binnenvertriebe. Diese Schule finanzieren wir ausschließlich aus Ihren Spenden – so wie in der Zeit von 1983 bis 2002 in Pakistan.

Sie gibt den Kindern und ihren Eltern Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 

  

Noch immer aber brauchen viele Schulen trotz Schichtunterricht zusätzliche Gebäude. BINGO! Projektförderung unterstützt den Bau von sechs Klassenräumen. Aus Spenden müssen wir €50.000 finanzieren. Ein Tisch mit Bank für drei Kinder kostet €70.


Wir wissen, dass jedes Jahr zu dieser Zeit viele Bitten auf Unterstützung ausgesendet werden. Die Lage in Deutschland und vielen Teilen der Welt erfordert überall Hilfe. Sollte es Ihnen trotzdem möglich sein, noch einmal für die Frauen und Kinder in Afghanistan zu spenden, so sagen wir jetzt schon Danke - Taschakor.

 

Beste Grüße


Tanja Khorrami     und          Marga Flader 

 

Spendenkonto:

Afghanistan-Schulen e.V., EthikBank, IBAN DE71 8309 4495 0103 0410 50 (GENODEF1ETK)

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info(at)Afghanistan-Schulen.de