Bericht vom April 2020

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

in Corona-Zeiten ist unser diesjähriger Frühjahrsrundbrief anders,

als wir es noch wir kurzem geplant hatten. Die Schulen in der Region Andkhoi wurden geschlossen, in Mazar-e-Sharif und anderen Teilen des Landes wurden die Winterferien verlängert. Tanja Khorrami und ich sagten deshalb unsere für den 28. März bis zum 10. April 2020 geplante Reise in den Norden Afghanistans ab. Auch ein Seminar mit deutschen Experten und den Schulleitern / Schulleiterinnen von 10 Oberschulen zur Kapazitäts-entwicklung wurde verschoben, ebenso wie eine Evaluierung unserer mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderten Schulbauprojekte durch eine unabhängige Gutachterin, die für Mitte April geplant war. 

 

 

Tanja Khorrami und ich hätten die beiden Schulen besucht, die seit unserer letzten Reise fertiggestellt wurden: in Aibak ein Gebäude mit 16 Klassenräumen und in Mazar-e-Sharif ein Schulgebäude mit 24 Räumen, jeweils mit Versammlungssaal und Nebenräumen, Toiletten, mit stabilen Möbeln, einem Schullabor und Bücherei ausgestattet. Maßnahmen, wie sie unsere Projektpartner in der Vergangenheit schon in vorbildlicher Weise durchgeführt haben. Wir hätten sicher auch die Schulen besucht, wo kleinere Gebäude entstehen: Vier Gebäude mit zwei großen Räumen für ein Labor und Bücherei sowie zwei Gebäude mit jeweils vier großen Räumen zur Erweiterung der wachsenden Schulen. Wir hatten gehofft, mit unseren Schülerinnen und Schülern in unserem Ausbildungszentrum zu diskutieren und von ihnen selbst zu hören, wie ihre Umweltprojekte voranschreiten. Gefreut haben wir uns auf das neue in Khancharbagh entstandene Frauenzentrum und auf die Gespräche mit unseren Freundinnen im Frauenzentrum in Andkhoi (das in Baghebustan/Bezirk Qurghan ist wegen der Taliban-Präsenz zurzeit geschlossen). Nun bleiben uns nur Videogespräche mit Andkhoi, Mazar-e-Sharif oder Kabul - das klappt ganz gut. Auch über die regelmäßigen Projektberichte fühlen wir uns gut informiert, wie z.B. über die Seminare zur Lehrerfortbildung und über das Training für Hausmeister zur Instandhaltung der Schulgebäude. Wir hoffen nun, dass wir im September reisen können. Mehr über unsere Aktivitäten können Sie unserem Jahresbericht entnehmen, den wir Ihnen auf Anfrage nach Fertigstellung gern zusenden.

 

Die Ausgangsregelungen in Deutschland, die Angst um die älteren Menschen und diejenigen mit Vorerkrankungen und der „Kampf ums Toilettenpapier“ haben uns nun schon eine Weile im Griff. Aus dem Iran, der schon früh vom Corona-Virus betroffen war, flüchteten viele Afghanen zurück in ihre Heimat. Das führte dazu, dass nun auch in Afghanistan die Angst ausgebrochen ist. Mehr dazu weiter unten. Nachdem ich einen Hilferuf aus Andkhoi an unseren Kreis in Deutschland weitergeleitet hatte, erhielt ich diese Antwort: -Sicher nicht nur ich spare seit Wochen und sicher noch für Wochen oder Monate Geld - kein Kino, Theater, Konzert, Essengehen, keine schönen Einkäufe, Reisen usw.. Wenn viele von uns etwas von dem "gesparten Geld" für Andkhoi spenden würden, käme eine schöne Summe zustande, die unsere Partner vor Ort sicher sinnvoll einsetzen könnten. Übung haben sie ja schon genug.  „Es gibt nichts Gutes außer man tut es.“ Vielleicht sehen Sie dies auch so, nachdem Sie die nachfolgenden Berichte gelesen haben.

 

Herzliche Grüße von Ihrer Marga Flader

 

**********************************

2020 Frühjahrsbericht Afghanistan-Schulen.pdf
Download als pdf 

**********************************

 

 

 

Sayed Asef Sadaat (Landesdirektor VUSAF)

Ich hoffe, dass diese Nachricht Sie gesund und munter erreicht. Unsere Kurse an unserem Ausbildungszentrum in Andkhoi sind wegen der Corona-Krise leider geschlossen. Wie in unserer Videokonferenz besprochen, werden die Lehrerinnen und Lehrer jetzt Lehrmaterial über das Lokalradio und City Cable Fernsehen sowie über WhatsApp-Gruppen direkt an Schülerinnen und Schüler übermitteln. Unsere Bücherei ist geöffnet, so dass die Jungen und Mädchen Bücher ausleihen und weiter lernen können. In kleinen Gruppen von drei oder vier Personen kann vielleicht weiterhin Unterricht angeboten werden. Wir hoffen, dass die Schließung nicht länger andauern wird. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie Sie alle wissen, ist die Situation in der ganzen Welt kritisch. Aber in Afghanistan leben sehr viele Menschen in großer Armut, und leider ist die Regierung nicht in der Lage, die notwendige Unterstützung für die Bürgerinnen und Bürger zu leisten. Daher sieht sich die Gemeinschaft ernsthaften Problemen gegenüber. Noch mehr Menschen sind inzwischen arbeitslos geworden. Die Tagelöhner finden kaum noch Arbeit. Obwohl sie in Quarantäne sein sollten, sind viele dennoch auf der Straße auf der Suche nach Arbeit, denn wovon sollen sie leben? Hier in Andkhoi ist es besonders schlimm, da die Menschen mit Vertreibung und Unsicherheit zu kämpfen haben. Es gibt keine Testmöglichkeit, um eine Infektion zu erkennen. Die Menschen haben gerade erst von dem Thema gehört und sind sehr verunsichert. Das Gesundheitsministerium hat keinen Plan. Es könnten bereits sehr viele Menschen infiziert sein. Denn viele Menschen sind aus dem Iran, wo das Corona-Virus wütete, in unsere Region zurückgekommen.

 

Wie Sie wissen, leben wir in Afghanistan in weitaus größerer Armut als die Menschen in Europa. Hier gibt es keinerlei Hilfe von unserer Regierung in einer solchen Krisen-situation. Stattdessen sind die Preise auf den Märkten jetzt doppelt so hoch wie vor der Krise (nicht nur die Kosten für Hygieneartikel, sondern auch für Lebensmittel). Wenn möglich, wäre es daher sehr gut, wenn wir den Menschen in der Region Andkhoi Lebensmittel und Hygieneartikel spenden könnten.

 

Um ehrlich zu sein, ich lebe heute in einer schwierigen Situation. Einige Leute, die mich ein wenig kennen, kommen zu mir, um Hilfe zu erhalten. Ich weiß, dass sie sehr leiden. Ich habe bisher noch keine Hilfe abgelehnt, aber meine eigenen Möglichkeiten sind begrenzt; ich kann nur mit 500 bis 1000 AFN (6 bis 12 EUR) helfen. Es wäre gut, wenn wir wieder so wie bei unserer Winterhilfe im Dezember 2019 den Bedürftigen direkt helfen. Ich versichere Ihnen noch einmal, dass mein Team und ich in der Lage sind, diese Aufgabe sehr gut zu erfüllen. Jede noch so kleine Spende wird geschätzt.

 

 Soman Sadat (Leiterin Frauenprojekte)  

Zu all den Unruhen und der Armut kommt mit dem Corona-Virus eine weitere Katastrophe, die die ganze Welt einschließlich Afghanistan ergreift. Es ist eine große Sorge insbesondere für uns in Afghanistan wegen der begrenzten Möglichkeiten hinsichtlich der Gesundheitsversorgung und der Probleme mit der Wirtschaft. Und, was noch wichtiger ist, hinsichtlich der Bildung. Alle Bildungseinrichtungen in Afghanistan sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Die Schülerinnen und Schüler müssen ihre beste Zeit auf ungewisse Zeit zu Hause verbringen, anstatt in Universitäten, Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen zu lernen. Es ist zu traurig, auch nur daran zu denken. Aber ob man es nun will oder nicht, die Kurse ruhen, die Schülerinnen kommen nicht und die Mitarbeitenden sind angespannt. Während dieser Zeit halten die Lehrerinnen aber über Mobiltelefon Kontakt mit ihren Schülerinnen. Einige unserer Besucherinnen kommen weiterhin. Noch nehmen die Leute die Corona-Krise nicht richtig ernst. Aber was sollen die Armen auch machen. Sie sind gezwungen, irgendwie Geld zu verdienen, um ihre Familien zu ernähren. 

 

Trotz all dieser Herausforderungen haben wir

mit unserem Team sowohl vom Frauenzentrum Andkhoi als auch vom Frauenzentrum Khanchar-bagh ein Corona-Aufklärungsprogramm durchgeführt. Wir haben Seife, Masken und Informationen zum Corona-Virus verteilt. Schutzmasken nähen wir im Frauenzentrum selbst. Diese Aktionen sollten wir fortführen. 

 

 

 

Zabiullah Azizi (Generaldirektor VUSAF)

Ich grüße Sie und hoffe, dass bei Ihnen alles in Ordnung ist. Da wir den Menschen in Andkhoi in schwierigen Zeiten immer geholfen haben, erhalten wir auch dieses Mal wieder Hilferufe. Viele Menschen, die in Großstädten wie Mazar und Kabul leben und ihre Großfamilien auf dem Land unterstützen, haben heute keine Arbeit mehr. Daher sind Hunger und Armut neben dem Virusproblem eine weitere direkte Bedrohung. Wir möchten gern den Menschen, die in normalen Zeiten von der Hand in den Mund leben und denjenigen, die ihr Zuhause verlassen mussten und in besonders schwierigen Verhältnissen leben, gern mit Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Reis, Nudeln, Bohnen, Öl und Tomatenpüree (im Wert von EUR 90) helfen. Vielleicht finden wir einen Weg, einigen armen Familien zu helfen??! Wenn Sie uns eine Spende mit dem Kennwort: „Corona“ überweisen, werden wir die Übergabe von Nahrungsmitteln in Andkhoi veranlassen so ähnlich, wie wir es im Dezember 2019 schon gemacht haben. 

 

 

Spendenkonten:

Kontoinhaber: Afghanistan-Schulen e.V.

EthikBank: IBAN DE71 8309 4495 0103 0410 50

Hamburger Sparkasse: IBAN DE37 2005 0550 1008 2258 05 

 

 

Eines von vier Erweiterungsgebäuden für Schullabor und Schulbücherei in Mazar

 

 

Eines von zwei Erweiterungsebäuden mit vier Räumen in Nawabad und Mazar

 

 

Hazrat Noman Schule in Mazar-e-Sharif: ein Erweiterungsgebäude mit 24 Klassenräumen, Versammlungsraum und sechs Nebenräume

 

 

 

Abschluss der Lehrerfortbildung in Aibak

 

 

 

Abschluss des Handwerkertrainings zur Instandhaltung der Schulgebäude

 

 

 

Lehrerfortbildungsseminar in Mazar-e-Sharif Februar 2020

 

 

 

Frühjahrspflanzaktion in Mazar-e-Sharif

 

 

 

Afghanistan-Schulen - Verein zur Unterstützung von Schulen in Afghanistan e.V. | Info(at)Afghanistan-Schulen.de